Shou Sugi Ban, carbonized wood, gebrannte Hölzer

Der Hype um “Shou Sugi Ban” oder „carbonized wood“

Die Geschichte vom japanischen Fischerdorf mit den gebrannten Holzfassaden wurde vorwiegend im angelsächsischen Raum vielfach publiziert und mit Leistungsversprechen wie dass: „…das Holz jahrzehntelang gegen Schäden durch Termiten, Pilzen und anderen Naturkräften geschützt ist…“ beworben.

Wir haben unsere eigenen Erfahrungen mit gebrannten Oberflächen, auch im Aussenbereich. Wie viel davon wahr ist und was eher in die Kiste „moderne Märchen“ zu verorten ist, darauf wollen wir mal eingehen.

Gebrannte Hölzer im Test und in der Praxis

Wir haben uns schon länger mit dem Thema”carbonized wood” auseinander gesetzt und haben das mit Muster an der freien Bewitterung getestet.

Es wurden dabei “normale”, also unbehandelte Hölzer mit sägerauer und gehobelter Oberfläche zusammen mit gebrannten, gebürsteten und gebrannten/geölten Mustern bei uns in Turgi an einer Süd-West-Lage dem Wetter ausgesetzt.

oben eine gebrannte und gebürstete, unten eine gebrannte Oberfläche

Nach1/4 Jahr um und es zeigen sich erste Anzeichen der Verwitterung:

  • Das gebrannte und gebürstete Muster wird heller und grauer. Wir gehen da nun in eine Richtung einer recht natürlichen Alterung. Uns und vielen Gestaltern gefällt die Optik und vor allem auch die Haptik der Oberfläche. Es sieht wie real gealtert aus.
  • Das verbrannte Muster zeigt Schäden in der verkohlten Oberfläche, diese ist zu schwach um den Einflüssen zu wiederstehen. Die Farbunterschiede zwischen dem Schwarz und der partiell wieder sichtbaren Holzfarbe ist augenfällig.
Detail der oberen Kante des gebrannten Holzes

Konkrete Folgen der Witterungs-Einwirkung

Die doch etwas fragile Struktur der gebrannten, resp. schon fast verkohlten (und damit ganz schwarzen) Oberfläche wurde bei diesem Objekt abgewaschen und durch Hagel beschädigt. Die mangelnde Zufriedenheit der Bauherren kann in solchen Fällen zu Fragen und Problemen führen.

Struktur einer stark (schwarz) gebrannten Oberfläche

Auswüchse dieses Trends

Als Beispiel haben wir ein Objekt in der Schweiz gefunden, dass mit einem uns zuerst unbekannten Produkt ausgeführt wurde:

Es wäre davon auszugehen, dass die Fassade – gerade auch mit den Vorsprüngen in der Geometrie der Gebäudehülle – bis im nächsten Jahr auch eine deutliche Veränderung zeigen wird.

Wir haben das dann vor Ort nach dem ersten Winter geprüft und waren erstaunt keine Anzeichen natürlicher Holzcharakteristik vorzufinden.

Nachbildung einer verkohlten Oberfläche aus Pressformen

Diese Paneelen sind nicht etwa Holz, sondern eine Nachbildung aus Kunststoff. Man kann ja davon halten was man will, aber wenn ein mit öffentlichen Mitteln erstelltes Gebäude mitten auf der Wiese mit einer Fassade aus Erdöl-Produkten verkleidet wird, dann ist man unter Umständen geneigt das kritisch zu hinterfragen.