Holzoberflächen – eine Übersicht

Von sägerau oder “sägeroh” bis hin zu strukturgehobelt oder “Sägerau-Optik” gibt es eine Vielzahl von Oberflächen, die für verschiedene Anwendungen mehr oder weniger geeignet sind.

Aus unserer Erfahrung führen die Begrifflichkeiten und die technischen Feinheiten auch immer wieder zu Verwirrungen und Verwechslungen. Insbesondere bei der Verwendung im Aussenbereich und bei der Beschichtung ist die richtige Wahl für die Qualität und die Dauerhaftigkeit entscheidend.

Konventionelle Holzoberflächen

Sägerau aus der Gattersäge

Die “einfachste” oder besser gesagt ursprünglichste Oberfläche wird mit der Gattersäge beim Zerteilen des vollen Stammes erzeugt. Man sieht dabei den sogenannten “Schnitt”, also die Spuren der Auf- und Ab-Bewegung der Sägeblätter. Man kann diesen Gatterschnitt als dekorativ betrachten, es ist jedoch anzumerken, dass man meist nur für Anwendungen mit geringeren Ansprüchen den Gatterschnitt so belässt. Man muss sich auch bewusst sein, dass die Formgebung mit der Gattersäge vom vollen Stamm, also im frischen und nassen Zustand gemacht wird. Beim Nachtrocknen ergibt sich daher eine Dimensionsverringerung und entsprechend bleiben die Bretter nicht plan, sie “schüsseln” (d.h. sie werden konvex/konkav). Es ist eigentlich auch unvermeidlich, dass sich Abdrücke von Stappellatten durch die Lagerung oder bei der technischen Trocknung abzeichnen.

sägerau – Gattersäge

Gehobelte Oberfläche

Mit Hobelmaschinen werden die sägerauen, meist getrockneten Bretter gehobelt und profiliert. Die gehobelte Oberfläche ist plan, gleichmässig und fein. Im Idealfall erkennt man die Struktur der Hobelung auf den ersten Blick nicht mehr, das bedingt jedoch, dass die Hobelmesser scharf und die Bearbeitungsgeschwindigkeit optimal gewählt wird.

Gehobelte Hölzer sind massgenau und recht kostengünstig herstellbar. Es ist der Standard für alle verleimten Hölzer wie Duo, Trio, BSH, sowie Bauholz in Sicht-Qualität.

gehobelt

Geschliffene Hölzer

Gehobelte Hölzer werden für Anwendungen im Möbel- und Innenausbau natürlich noch geschliffen. In der industriellen Verarbeitung von Hobelwaren ist dies jedoch nur beschränkt möglich, weil die Anlagen auf viel zu hohe Durchlaufgeschwindigkeiten ausgelegt sind. Es macht eigentlich nur Sinn bei Beschichtungen auf den dazu ausgebauten Lackieranlagen die Oberfläche und/oder den Grundierlack zu schleifen.

Oberflächen für Aussenschalungen

Sägeraue Schalung mit Bandsägeschnitt

Feine, gleichmässige, sägeraue Oberflächen werden mit speziellen Bandsägen erzeugt. In der Regel geschieht dies nach der Trocknung des Holzes, das sich dann auch nicht mehr verzieht und die Fläche plan bleibt. Werden die vorher getrockneten Bretter aufgetrennt und weiter verarbeitet, können die Abzeichnungen der Stappellatten vermieden werden.

Bandsägeschnitt

Feinbandsägeschnitt – die optimale Oberfläche

Die technisch perfekte sägeraue Oberfläche ist ein mit speziellen Sägeblättern auf dafür optimierten Maschinen hergestellter Bandsägeschnitt. Wir nennen das “sägerau mit Feinbandsäge aus Doppelstärken erzeugt”. Diese optimale Oberfläche für die Aussenanwendung ist gerade bei funktionalen Behandlungen die erste Wahl. Es ist eine schonende Behandlung ohne Krafteinwirkung, die durch eine rotierende Welle ausgeübt wird.

Unsere Douglasien-Produkte mit ALPIN OPERA fertigen wir eigentlich ausschliesslich mit dem Feinbandsägeschnitt und haben die besten Erfahrungen gemacht. Ausserdem erhalten wir sehr positive Rückmeldungen bezüglich der schönen Optik und Haptik.

Feinbandsägeschnitt

Mechanisch nachbearbeitete Oberflächen

Strukturgehobelt, strukturfein, Hobelfräser

Um die Vorteile der Verarbeitung auf den schnellen Hobelanlagen, die Passgenauigkeit der gehobelten/gefrästen Profile und die Vorteile der durch die Struktur gut haftenden sägerauen Oberfläche zu vereinen, wurden spezielle Fräser entwickelt. Diese Fräser machen eigentlich eine ganz fein gerillte Oberfläche, die bei entsprechender Durchlaufgeschwindigkeit auf den Hobelautomaten eine fein strukturierte, faserige Oberfläche ergeben.

Die Strukturhobelung ist eine gute Alternative zum Bandsägeschnitt, auch wenn man klar festhalten muss, dass bezüglich der Oberflächengüte nicht mit einem perfekten Bandsägeschnitt gleichzusetzen ist. Es ist und bleibt eine Hobelung/Fräsung. Für Beschichtungen kann die Strukturhobelung die erste Wahl sein, weil dann das Holz selber keiner Wettereinwirkung ausgesetzt ist.

strukturgehobelt oder “strukturfein”

Gebürstet – längs gebürstet

Mit Metall- oder Kunststoffbürsten wird auf der Oberfläche eine Struktur erzeugt. Dabei werden die weichen Frühholzanteile eher ausgebürstet und die natürliche Struktur der Holztextur wird stärker betont. Das Holz wird durch das Entfernen der weicheren Holzpartien an der Oberfläche etwas härter, die Bürstung wird aber primär aus ästhetischen Gründen gemacht.

Für einen sehr interessanten Wash-Effekt nutzen wird thermisch modifizierte Hölzer mit gebürsteter Oberfläche. Unsere TRIPLANK und die TEXTURA-Linie sind mit gebürsteten, haptisch interessanten Oberflächen ausgestattet.

Thermo-Holz längs gebürstet

Gehackt und gebürstet

Früher wurden Balken nicht gehobelt, sondern mit Beilen von Hand gehackt. Die dabei entstehende unregelmässige Oberfläche wiederspiegelt die unterschiedlichen Wuchsstrukturen des Holzes.

Heute werden gehackte Oberflächen mit speziell dafür ausgestatteten Maschinen gefertigt, die wie das Hacken mit dem Beil eine sehr lebendige Struktur schaffen. Für den Einsatz an frei bewitterten Fassaden ist ein gehacktes Holz nur bedingt geeignet.

gehackt

Zusammenfassung und Anmerkungen

Für Aussenschalungen haben sich sägeraue Oberflächen besser bewährt als gehobelte. Das ist darauf zurück zu führen, dass die Hobelmesser die Fasern leicht eindrücken und die Struktur des Holzes anschneiden. Bei Einwirkung von Wasser (Regen) quellen diese dann auf und ergeben eine stärkere Anfeuchtung und Fleckenbildung.

Die erste Wahl ist heute eine mit speziellen Feinsägeblättern nach dem Trocknen erzeugte sägeraue Oberfläche, weil diese alle Vorteile in sich vereint: sauber, holzschonend und ein idealer Untergrund für Behandlungen und Beschichtungen. Man vermeidet damit auch die Verfärbungen durch Stappellatten bei der Trocknung.

Die „moderne“ Strukturhobelung ermöglicht mehrseitig passgenaue Holzbauteile zu fräsen und die Oberfläche kommt technisch nahe an die sägeraue Struktur heran. Es ist eine Fräsung/Hobelung, durch die aufgeraute Oberfläche sind aber Beschichtungen und Behandlungen in guter Qualität applizierbar.

Durch Bürsten, Hacken etc. sind heute Oberflächen machbar, die optisch interessante Möglichkeiten eröffnen. Der Einsatz an bewitterten Fassaden muss jedoch situativ geprüft werden.

Zuschnitte ohne Sichtanspruch

Achtung: Die folgend auch noch aufgeführten Bearbeitungen haben schon zu Missverständnissen geführt, weil historisch gesehen „sägerau“ eigentlich eine Bearbeitung ohne Sichtanspruch war. Das Auftrennen mit den Sägeblättern ist üblich, schnell und günstig, genügt jedoch den Ansprüchen einer sichtbaren Holzoberfläche meist nicht!

egalisiert
sägerau Kreissäge
Oberfläche vom Zerspaner

Bei Fragen zur Wahl der besten Holzoberfläche stehen wir gerne zur Verfügung – zählen Sie auf unsere Erfahrung!